Experimental Travel
Experimental Travel
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Ein Reisetrend wird immer populärer: Experimental Travel. Statt Sightseeing stehen verrückte Ideen im Mittelpunkt. STADTBLATT-Autorin Martje Freese hat's ausprobiert und war experimentell in Osnabrück unterwegs.






Der Erfinder
Die Methoden
Der Test
Im Netz
Buchtipp
Schreib uns!
Begründer des Experimental Travel ist Joel Henry. Der 55-jährige Franzose ist Journalist und Schriftsteller. Zu seinen Hobbys zählen die Fotografie, das Organisieren von Events und - wie könnte es anders sein - das Verreisen. Die Idee des experimentellen Verreisens entstand 1990 bei einem Abendessen mit Freunden. Ziel ist es, auf phantasievolle und abwechslungsreiche Art und Weise unbekannte Orte zu entdecken, oder Altbekanntes neu zu erkunden. Das eindrucksvollste Erlebnis für Henry selbst? Der so genannte Cecitourism: geführt von seiner Frau Maia entdeckte er Luxemburg mit verbundenen Augen - nur in Form von Geräuschen, Gerüchen und den Schilderungen seiner Frau!

Von A bis Z
Wer das Abenteuer liebt, weder dunkle Ecken noch steile Berge oder große Umwege scheut, liegt mit diesem Experiment genau richtig! Nicht die sehenswertesten Gebäude, die prachtvollsten Einkaufsstraßen oder die schönste Landschaft geben die Route vor, sondern das Alphabet.
Bevor es losgehen kann, schlägt man das Straßenverzeichnis im Telefonbuch auf, sucht sich die erste und die letzte Straße im Alphabet heraus, markiert die beiden auf einem Stadtplan und verbindet sie. Damit ist die Route des Tages fest gesteckt: Von A nach Z wird die Stadt erkundet, so nahe wie möglich entlang der (Luft-) Linie.


Ero Tourism
Die Spielregeln sind einfach. Schnapp` Dir eine Person, die Du besonders gut kennst - Deinen Partner, einen guten Freund oder eine Freundin - und plane einen Städte-Trip mit ihr. Am Flughafen oder am Bahnhof angekommen, geht ihr getrennter Wege. Wer sich allein im Zug oder Flugzeug nicht langweilt, kann natürlich auch die Anreise schon solo planen!
Jeder erkundet nun auf eigene Faust die Stadt, besucht Museen, geht einkaufen oder in einem Park spazieren - immer im Hinterkopf, was der jeweils andere gerade machen könnte. Ziel ist es, sich bis zum Abend gefunden zu haben. Hart gesottene Experimental Traveler schalten erst nach zwölf Stunden vergeblicher Suche ihre Handys wieder ein, um sich zu verabreden!


Synchronized Travel
Der Flug war anstrengend, und man möchte nach dem Essen am liebsten nur noch aufs Zimmer oder in den Pool. Am ersten Urlaubstag darf nur eines nicht fehlen: der obligatorische Streifzug durch die Umgebung. Schließlich möchte man wissen, wo man gelandet ist! Zu diesem Zweck ist das Synchronized Travel Experiment bestens geeignet: Wie bei einer Schnitzeljagd befolgt man der Reihe nach zehn Anweisungen, die einen kreuz und quer durch die Nachbarschaft des Hotels führen.


Ariadnes Thread
Ariadne steht für eine beliebige Person, die wahllos aus dem Telefonbuch der zu durchkreuzenden Stadt gegriffen und angerufen wird. Als „Experimental Traveler" fragt man sie nach maximal zehn ihrer liebsten Plätze, verbindet diese auf einer Karte und läuft den besagten Faden ringsum ab! Alternativ: Rufe eine Person an und frage sie nach nur einem ihrer Lieblingsorte (z.B. eine Kneipe, ein Museum oder einen Park). Dort angekommen befrage eine weitere Person und besuche deren vorgeschlagenen Ort.


Trip-Poker
Ihr möchtet zu viert über das Wochenende verreisen, wisst aber nicht wohin? Wie wäre es mit Trip-Poker? Reihum wird gewürfelt. Der Sieger der 1. Runde bestimmt die Entfernung, indem er seine Augenzahl mit 100 km multipliziert. Der Sieger der 2. Runde bestimmt das Datum: aktuelles Datum plus Anzahl an Wochen oder Monaten, die der Würfel anzeigt. Und der 3. Sieger bestimmt die Unterkunft: 1=Hotel, 2=Camping, 3=Im Auto übernachten, bis hin zur 6=keine Unterkunft, also durchmachen!


K2
Jede Stadtkarte hat ganz sicher ein bestimmtes Feld in ihrem Gitter: K2! Dort schaut ihr euch einen Tag lang um, geht eine Kleinigkeit essen, bestaunt die Architektur und findet gegebenenfalls sogar einen Schlafplatz! Schon mal geschaut, wo man in Osnabrück landen würde?


Backpacking At Home
Die Sonne scheint, das Geld ist knapp - warum nicht einmal ein Kurzurlaub daheim? So günstig wie möglich übernachtet Ihr auf einem Campingplatz oder in der Jugendherberge, lasst Euch mit der Rikscha kutschieren, macht eine Stadtrundfahrt oder geht mit anderen Urlaubern feiern.


Rent A Tourist
Faulenzen ist im Urlaub natürlich die Hauptsache. Wem das auf Dauer allerdings zu langweilig wird, kann sich als Arbeitskraft für einen Tag mieten lassen. Mit einem großen Hinweisschild bewaffnet und laut auf euch aufmerksam machend geht ihr durch die City. Schon bald werdet ihr euch als Babysitter, in der Waschküche eines Hotels oder im Weinberg eines Winzers wieder finden!
Hast auch Du das Zeug zum Experimental Traveler? Mach den Test auf
www.lonelyplanet.com/experimentaltravel
Weitere Informationen und alle Experimente gibt es auf
www.latourex.org zu sehen!
Das Standardwerk “Lonely Planet’s Guide to Experimental Tourism” von Rachael Antony und Joel Henry ist bislang noch nicht in Deutschland erschienen. Die englische Buchausgabe ist für 15,45 EUR über www.amazon.de zu beziehen!
Dir sind die Experimente zu langweilig oder zu anspruchsvoll? Du hast selbst viel bessere oder ebenso lustige Ideen, wie man experimentell verreisen oder die eigene City unsicher machen könnte? Dann lass uns daran teilhaben und schick sie an
redaktion@stadtblatt-osnabrueck.de