Popsalon5: Tag 2

4 Posted by - 1, 12. April 2014 - Artikel, STADTBLATT präsentiert

Lauschen/ Beobachten/ Entdecken und Abfeiern

[sc:vorspann ]Es war nicht für jeden was dabei am Freitag des Osnabrücker Club-Festivals, und das ist durchaus als Kompliment an die Veranstalter zu verstehen. Das Programm war abwechslungsreich, ohne beliebig zu wirken; die Balance zwischen /Lauschen/ Beobachten/ Entdecken und Abfeiern stimmte. Aber eins nach dem Anderen.[sc:/div ]
Blaudzun

Blaudzun machte den Anfang: „Hallo Osnabrück, wie gehts?“ „JAA!“  Im großen Saal der Lagerhalle brachte der Niederländer mit seiner siebenköpfigen Band und viel Gefühl seine Version moderner Folkmusik an den Mann. Nach fast jedem Song reichte ihm sein Roadie eine andere Klampfe, auch seine Mitstreiter wechselten ständig die Instrumente: Von der Gitarre zur Violine zur Pauke zum Akkordeon, von der Orgel an die Percussions und zurück. Der unvermeidliche leere Raum vor der Bühne schrumpfte kontinuierlich, und spätestens als Blaudzun ohne Mikrofon, aber mit kräftiger Stimme sang: „It hurts too much to say, but I won’t let go“, hatte er das Publikum im Sack – der ganze Saal im Chor, ein echter Moment.

I-Haeart-Ssarks

Dann schnell rüber in die Freiheit: Die Absage von OK Kid brachte den Terminplan etwas durcheinander, aber ins Wanken geriet deswegen noch lange nichts. I Heart Sharks aus Berlin sprangen ein und legten eine etwas routinierte, aber knackige Show hin. „Wir wurden gefragt, ob wir statt OK Kid spielen wollen, und wir haben gesagt: OK.“ Im nicht besonders schicken, aber wahrscheinlich coolen Hemd turnte Frontmann Pierre Bee, nur echt mit Bienen-Tattoo, einen vor und brachte die Damen und Herren vor der Bühne in Wallung. Neben treibenden Beats und Mitsingparts hatten die Jungs eine ganze Palette an Synthies am Start, um die Tanzbarkeit ihres eingängigen Indiesounds noch zu steigern, was auch einwandfrei funktionierte.

Max-Prosa

Niemand durfte am Freitagabend so lange spielen wie Max Prosa. Der Berliner Songwriter nutzte die Zeit, um seine Show Stück für Stück aufzubauen: Die ersten Songs sang er allein zur Western, dann kamen zwei E-Gitarren dazu, bis schließlich die komplette Band auf die Bühne kam und einen kernigen Rocksound produzierte. Die Hütte war nicht wirklich voll, aber die Anwesenden feierten Max umso mehr. Der legte zwischendurch auch mal die Gitarre zur Seite und gab den klassischen Rock-Frontmann – ob die Joe Cocker-artigen Moves Absicht waren, kann man nur raten. Dass Sound und Gesangsstil an Dylan erinnerten, dürfte wohl kein Zufall gewesen sein, aber auf den großen alten Mann kann – oder muss – man mittlerweile lange warten. Insofern zwar kein abgefahrener Scheiß, aber auf jeden Fall eine packende Show und Lieder voller Bilder und Geschichten. Außerdem ein weiteres gewagtes Hemd.

Bilderbuch

Die Popsalon-Kundschaft empfing alle Bands wohlwollend und mit offenen Armen, aber Highlight und Publikumslieblinge dieses Freitagabends waren glasklar Bilderbuch. Der Name lässt den Ahnungslosen Schlimmes ahnen, aber jeder Schmalzverdacht zerstreute sich in genau dem Moment, in dem die Wiener die Bühne betraten, denn sowohl musikalisch, als auch auch optisch haute das Quartett richtig dreckig einen raus: Gitarrist Michael Krammer machte in knallenger Buxe und mit Stirnband auf Keith Richards, Sänger Maurice Ernst schockierte mit einem Bermudahemd aus der Hölle, schlimmen Turnschuhen und falcoesken Anzüglichkeiten: „Ihr müsst anfangen, Bilderbuch lieb zu haben. Das nächste Lied heißt „Lambrusco!“
Und die Musik? Die ging einfach nur ab –  wenn Punk in der Disco, dann so.
„Ihr braucht euch nicht zu genieren, wir erzählen in Österreich keinem, was hier für ne fette Party geht“, mahnte Ernst zu noch weniger Zurückhaltung. Vielen Dank für die Diskretion, und hoffentlich bis bald!

Die erwähnte Umstellung des Ablaufplans erwischte Rapper P.Most kalt: Weil keiner wusste, wann und wo er dran war, spielte der Osnabrücker als vorletzter Act im fast leeren Glanz und Gloria; unbestätigten Zeugenaussagen zufolge war es trotzdem ein starker Gig.

James-HerseyJames Hersey gab im Glanz das Schlusslicht des Abends. Er kommt zwar ebenfalls über Umwege aus Wien, ließ es aber ein ganzes Stück ruhiger angehen als die durchgeknallten Bilderbuch. Mit HipHop- und R&B-Einflüssen, Beats aus der Konserve und prägnantem Gitarrenspiel wiegten James und seine Mini-Band, bestehend aus DJ und zweitem Gitarristen, ihr Publikum im Groove und gaben freies Geleit zur Aftershow-Party und zum wohlverdienten Absturz.

[sc:autor ]Text & Fotos: Markus Strothmann[sc:/div ]

 

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