Popsalon5: Tag 3

1 Posted by - 1, 26. April 2014 - Artikel, STADTBLATT präsentiert

Das Popsalon-Finale

[sc:vorspann ]Am Samstag zeigte sich das Indoor-Festival in seiner ganzen Bandbreite.[sc:/div ]

Den Anfang macht MarieMarie (Foto oben) im Haus der Jugend. Fast wie bestellt grüßt die ankommenden Konzertbesucher in der Bierstraße ein Harfenist mit mittelalterlicher Kopfbedeckung. Denn Maria Scheiblhuber aus der Nähe von Augsburg genoss an eine klassische Ausbildung an diesem Instrument und setzt dieses im Rahmen ihrer Songs ein. Vor dem Haus der Jugend wird das Rauchverbot locker ignoriert, mit Wasserpistolen bewehrte Kids berichten vom 3:0-Sieg der Dortmunder in München. Drinnen betritt die rothaarige Sängerin mit ihrer Band (zwei Perkussionisten, ein Cellist) die Bühne. Gewandet in ein Outfit zwischen space cadet und Schulmädchen (weiße Bluse, Faltenrock, Glitzerpumps, markante rote Frisur) spielt MarieMarie Songs ihres Debüts „Dream Machine“, das erst im Februar erschien. Ihre Stimme ist ätherisch-klar, erinnert an Sinead O’Connor, und wird teilweise verfremdet. Vom Sound her dominieren Synthiepop, aber auch Vaudeville und Bowie. „20 Steps“, von MarieMarie als „Kernsong“ des Albums angekündigt, vereinigt Vorgenanntes und endet in ein einer Soundschleife, die an Underworld zu „Trainspotting“-Zeiten erinnert.

In der Kleinen Freiheit gibt es deutschen R’n’B: Teesy.

Xul-SolarWeiter geht’s in die Lagerhalle. Im Foyer predigt auf der Videogroßleinwand Kloppo, im Konzertsaal laufen noch Beatles und Johnny Cash vom Band. Dann ist es Zeit für Xul Zolar. Ronald, Marin und Tim aus Köln benannten sich nach einem argentinischen Surrealisten und bedienen Synthies, Gitarren und Schlagzeug. Wieder kein Bass? Das wäre was für Noel Gallagher, der, befragt nach seiner Meinung über die White Stripes einst bekundete: „Get a fucking bass player!“ Die Stimme von Sänger Ronald passt zum 80er-Gothic-Pop von Xul Zolar, changiert zwischen Robert Smith und dem heutzutage schier omnipräsenten Ian Curtis. Die Gitarre spielt dazu Klingel-Riffs, das Schlagzeug marschiert im Postpunk-Rhythmus. Zur Abwechslung gibt es auch mal einen Reggae-Beat, die Songs machen eine Kurve Richtung Bright Eyes und Aracde Fire.

FriskaFiljorZurück zum Haus der Jugend, auf zu Friska Viljor. Die sympathischen Schweden waren schon öfters in Osnabrück, und das erhöhte Fahrradaufkommen vor der Location lässt darauf schließen, dass das nicht umsonst war. Haus der Jugend: bestens gefüllt. Aufgeregte Mädchen machen Handyfotos von sich in albernen Posen und der leeren Bühne, rufen: „Jetzt kommt doch mal raus!“ Die um die Instrumente drapierten Trinkvorräte passen irgendwie nicht zum ausschweifenden Party-Image der Band: Vilsa Mineralwasser. Und eine so stoische Instrumentenabnahme kurz vor Beginn bekommt wohl nur ein Schwede hin. Dann betreten Friksa Viljor mit den beiden Bandgründern Joakim Sveningsson und Daniel Johansson die Bühne. Und man merkt sofort, die wissen, wie’s geht. Ganz in weiß (bis auf den Bassisten) kriegt die Band das dankbare Publikum ab der ersten Sekunde mit ihrem melodischen Indierock und scheinen an der ganzen Sache mindestens genauso viel Spaß zu haben wie die Leute vor ihnen.

SOHNWährend Rapper Ahzumjot in der Kleinen Freiheit den Staffelstab übernommen hat, wartet in der Lagerhalle „the next big thing“. SOHN, Londoner mit Wohnsitz Wien, ist Thema in allen Magazinen und Blogs, die Rang und Namen haben. Von NME über Pitchfork bis SPEX rätseln alle über den geheimnisvollen Christopher Taylor. Der spielt in Deutschland Konzerte in Hamburg, Köln, Berlin und, eben, Osnabrück. Ein Beweis dafür, welches Standing sich der Popsalon mittlerweile erarbeitet hat. Mittlerweile regnet es. Gut, dass es ein Indoor-Festival ist. Aus der Peitsche dröhnt „Black Betty“, vier betrunkene Mädchen grölen „Es tut mir doch so leid“ vom Schleimbolzen F-Raz durch die Straßen. Im Foyer immer noch Kloppo. Die leere Bühne ist in Schwarz getaucht. Bassist und Synthiemann haben bereits Platz genommen, dann kommt SOHN als Mann in Schwarz mit Mütze und Kapuze und setzt sich hinter seine Effektorgel. Um ihn herum flackert es mystisch. Die minimalistischen Sounds lassen Platz für SOHN’s beeindruckenden Tenor, der das Klostergefühl noch bestärkt. Und er klingt teilweise tatsächlich wie ein junger Michael Jackson. Überragend, diesen Künstler in der Stadt zu haben.

GoGoBerlinZum Abschluss gibt es Go Go Berlin im Glanz & Gloria. Noch ist der Bühnenvorhang zugezogen, ein sehr junger Roadie in „Go Go Berlin Denmark“-Rockerweste versieht etwas bedrohlich dreinblickend sein Werk. Und dann kommen Christian, Mikkel, Anders, Emil und Christoffer durchs Publikum auf die Bühne. Enge Hemden, breite Gürtel, geile Frisuren, Drummer Christoffer eine Mischung aus dem jungen Ringo Starr und Keith Richards. Go Go Berlin spielen so, wie sie wohl auch beim Roskilde-Festival gespielt haben. Publikumsanimation, Rockmoves, immens viel Bewegung. Nach zehn Minuten hüpft Gitarrist Mikkel auf die bderohlich schwankende Lautsprecherbox und spielt von da weiter. Die Musik? Status Quo, Stones, Slade, Kings Of Leon, Mando Diao mit besserer Laune und besseren Songs, dazu ein Händchen für große Rockballaden: „Castles Made Of Sand“ ist eine Kreuzung zwischen Aerosmith und Robbie Williams. Die Ohren klingeln, den Song im Kopf geht’s nach Hause.

Damit ist der Popsalon 5 zu Ende und man darf gespannt sein, was die Organisatoren nächstes Jahr wieder an interessanten Acts nach Osnabrück holen.

[sc:div_autor ]Text und Fotos: Malte Schipper[sc:/div ]